Manchmal begegnen uns Probleme, die komplexer sind als ein einfacher Flashback. Es braucht mehr als Grounding und Früher von Heute trennen. Mehrere Anteile sind zur selben Zeit aktiviert und sie beeinflussen sich gegenseitig so, dass das Problem damit aufrechterhalten wird. Wir müssen aktiv eingreifen. Ich erkläre euch 3 verschiedene Versionen, wie man solche Situationen sortieren und auflösen kann.
Survival Reaktionen (Regulation)
Anteile erleben möglicherweise Stressreaktionen (Flucht, Kampf, Erstarren, Shutdown) oder soziale Überlebensinstinkte (Bindungsdrang, Hilfe suchen, sich zurückziehen, Dominanz oder Kontrolle anstreben, Beschwichtigung oder Unterwerfung). Es kann manchmal helfen, alle Anteile durchzugehen und aufzuschreiben, welche Survival Reaktion sie zeigen und wie diese Reaktionen sich vielleicht gegenseitig bedingen. Zum Beispiel erschreckt die Fight Reaktion von einem Anteil vielleicht einen anderen, der dann in Shutdown geht, was wieder einen anderen triggert, der dann versucht zu beschwichtigen. Wir können einem Anteil nach dem anderen bei der Regulation helfen, wenn wir wissen, was diese Kettenreaktion ausgelöst hat.
Das kann nützlich sein, wenn es gerade viele Survival Reaktionen gibt, die gleichzeitig passieren, weil es einen Trigger gab und in der Reaktion darauf dann komplexe Dysregulation. Es ist weniger hilfreich bei komplexen Situationen, die durch andere Umstände hervorgerufen wurden und zu einem inneren Spannungsfeld führen, das nicht direkt Dysregulation ist.
Ich verwende dieses Werkzeug heute kaum noch. Das hat sich für mich langfristig nicht als nützlich erwiesen, sobald meine Regulation stabiler war. Aber viele Leute schwören darauf und ganz besonders zu Beginn des eigenen Heilungswegs ist es meistens hilfreich.
(Ihr findet ausführliche Informationen dazu bei Janina Fisher und eine Kurzversion, wo wir das erklären hier drüben.)
Bedürfnisse & Werte (Beziehung)
Komplexe Situationen entstehen auch ohne Trigger. Manchmal sind da Bedürfnisse im Konflikt miteinander. Was sich für manche Anteile richtig anfühlt, berücksichtigt nicht, was andere Anteile brauchen. Analog dazu vertragen sich vielleicht unsere Handlungen nicht mit Werten, die anderen Anteilen wichtig sind. Sie fangen an, uns zu boykottieren oder zu sabotieren und es kommt zu einer Patt Situation. Um solche Situationen aufzulösen, schauen wir uns keine Survival Reaktionen an, sondern die Bedürfnisse und Werte innerhalb der Situation.
Beispiel: Eine Person mit DIS versucht zu entscheiden, wie man den Kontakt mit der Familie managen kann und bleibt beim Thema ‘Grenzen setzen’ stecken. Mit Hilfe von einer Tabelle von allen Anteilen und ihren Bedürfnissen in dieser speziellen Situation zeigt sich, dass manche Anteile Sicherheit brauchen und den Kontakt abbrechen wollen. Manche haben Angst, alleine gelassen zu werden; die haben ein Bedürfnis nach Verbundenheit und Fürsorge. Andere Anteile haben Angst vor Konflikten; sie haben ein Bedürfnis nach Frieden und Harmonie. Geben wir dann noch einen Anteil dazu, der Familie als wichtigen Weg wertschätzt, wie man ein Leben in Gemeinschaft führen kann und wir haben eine komplexe Situation, für die es keine offensichtliche Lösung gibt.
Um solche Situationen aufzulösen, ist es wichtig, Wege zu finden, Bedürfnissen zu begegnen. Das kann bedeuten, dass wir eine Entscheidung ändern. Es kann aber auch alternative Wege geben, um einem Bedürfnis zu begegnen. Und manchmal müssen wir fürsorglich und ernst erklären, warum einem Bedürfnis in diesem Fall nicht begegnet werden kann und Trost anbieten. In solchen Situationen arbeiten wir mit Kompromissen und Absprachen, die wir in Team Sitzungen besprechen. Es hilft, sich das alles aufzuschreiben, weil es schwierig ist, mögliche Wechselwirkungen zu bemerken, wenn wir alleine im Kopf verhandeln.
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Das ist eine wichtige Übung, die wir noch sehr lange auf unserem Heilungsweg brauchen werden. Wer ‘gesunde Multiplizität’ anstrebt, wird das für immer brauchen, weil solche komplexen Situationen mit Bedürfnissen ein normaler Teil vom Leben mit DIS sind. Je besser wir unser System kennen, desto eher können wir ein Leben gestalten, ohne uns ständig miteinander zu verheddern, aber solche Situationen können immer mal wieder auftauchen. Das ist eine Übung, die wir oft nutzen sollten, wenn wir Entscheidungen treffen und sie sollte ein fester Bestandteil unseres alltäglichen Werkzeugkoffers sein. Selbst Menschen ohne Dissoziation haben manchmal Bedürfnisse oder Werte, die miteinander im Konflikt sind und müssen das für sich sortieren. Weil unsere dissoziiert sind, brauchen wir dafür gezielte Kommunikation.
(Diese Version ist aus der regulären CBT abgeleitet und findet sich so adaptiert schon lange als ein Standard in der DIS Therapie)
Verlangen & Streben (Integration)
Manchmal sind Situationen so schwierig, weil wir sind, wer wir sind. Anteile funktionieren auf eine bestimmte Weise und ihre Strategien, wie sie mit Sachen umgehen, kommen uns bei unseren übergeordneten Zielen in die Quere. Wenn ihr eine sehr gründliche Innere Landkarte erstellt habt, dann habt ihr vielleicht schon aufgeschrieben, innerhalb welcher Handlungssysteme sich verschiedene Anteile bewegen. Die kommen mit einem bestimmten inneren Drang oder einer Art Willen oder Motivation in eine bestimmte Richtung. Nijenhuis nennt das ‘Modes of Longing and Striving’, was sich übersetzt in ‘Modi von Verlangen und Streben’. Darum geht es hier, auch wenn wir das spannende Konzept dahinter ignorieren und das den Super-Nerds überlassen und uns hier nur praktisch um das Wollen und Streben von Anteilen kümmern.
Wir können komplexe Situationen sortieren, indem wir jeden Anteil fragen: Was versuchst du gerade zu erreichen? Und mit welchen Mitteln versuchst du es zu erreichen? Das sind die grundlegenden Fragen, mit denen man ‘Verlangen und Streben’ erforscht. Das ist ein breiter angelegter Ansatz als nur nach Bedürfnissen und Werten zu fragen und beinhaltet Bedürfnisse und Werte und auch die Survival Reaktionen. Wir fragen Anteile im Grunde, was sie in dieser Situation antreibt, was sie sich wünschen und wonach sie streben, es zu erreichen. Dann prüfen wir ihre Strategie, wie sie da hinkommen wollen.

Dann können uns verschiedene Konstellationen begegnen:
Ein Ziel passt nicht zur aktuellen Situation
Ein Anteil steckt vielleicht in der Vergangenheit fest und ist sich noch nicht im Klaren darüber, dass das Ziel bereits erreicht wurde. Es ist vorbei, wir haben gewonnen. Es ist nicht länger nötig, das Ziel noch weiter anzustreben oder eine Handlung (Strategie) zu wiederholen, die uns gerettet hat. Es hat funktioniert. Indem wir die Aufmerksamkeit darauf lenken, wie es in der Vergangenheit funktioniert hat und wie wir die vergangene Situation überwunden haben und das dann mit der heutigen Situation vergleichen, können wir den Drang nach dieser Handlung innerhalb dieses Anteils auflösen. Wir brauchen hier vor allem integrative Handlungen wie Synthese und Präsentifikation. Das alte Ziel wird in die Vergangenheit sortiert und die Gegenwart öffnet sich für neue Ziele und neue Strategien.
Eine Strategie passt nicht zum Ziel
Manchmal wissen Anteile über das Heute Bescheid und haben auch Ziele, die zum Heute passen, aber die verwenden noch alte Strategien, die sie nicht zum Ziel bringen werden. Ihre Vorstellung davon, wie sie das kriegen, was sie wollen, ist fehlerhaft in der heutigen Realität oder sie haben einfach keine besseren Ideen, weil sie nur sehr wenige Strategien kennen.
In solchen Fällen können wir Optionen zum ausprobieren anbieten oder sie mit Anteilen in Kontakt bringen, die andere Strategien kennen. Es ist wichtig zu zeigen, wo die heutige Situation anders ist als die alte und wann man welche Strategie anwendet, um weiterzukommen. Alte Situation – alte Strategie, neue Situation – neue Strategie, keine Mischung von beidem. Das klingt vielleicht erst einmal nicht so, aber das ist integrative Arbeit, wo wir die Informationen sortieren und alles an einen besseren Platz stellen, wo es hinpasst und ein kohärentes Bild von Früher und Heute erschafft.
Wenn die Ziele und Strategien von Anteilen in sich selbst stimmig sind, schauen wir und noch mögliche Wechselwirkungen zwischen Anteilen an.
Anteile versuchen, inkompatible Ziele zu erreichen
Anteile versuchen vielleicht, Ziele zu erreichen, die sich nicht miteinander vertragen. Die kann man nicht gleichzeitig erreichen. Wahrscheinlich sind wir es gewöhnt, an dieser Stelle zu Verhandeln und Kompromisse zu finden (siehe Bedürfnisse & Werte), also eine Beziehungs-basierte Herangehensweise. Man kann an der Stelle auch einen integrativen Ansatz verwenden.
Weil die Funktionen eines Ganzen auf verschiedene Anteile aufgeteilt sind, begegnen uns Situationen, wo Funktionen, die sich eigentlich abwechseln sollten, gleichzeitig aktiviert sind. Das ist ein bisschen, als wollte man beide Seiten der Medaille gleichzeitig zeigen. In Wirklichkeit brauchen wir für diese Situation nur eine. Wir benötigen beide Anteile und ihre Strategien zu bestimmten Zeiten, aber in dieser spezifischen Situation finden wir heraus, was zu diesem Moment in der Zeitgeschichte passt und zu der Gesamtperson, die wir heute sind.
Um das zu tun, verbinden wir alle Informationspunkte, die wir haben, machen uns die heutige Realität bewusst und wie sie sich von früher unterscheidet, schauen uns das System als ganze Person mit komplexen Fähigkeiten an und entscheiden dann, was am besten zu uns als System Heute passt. Wir verschieben die Strategien, die uns als System zur Verfügung stehen, so, dass sie alle ihren Platz finden und die nützlichste für Heute verwendet wird, während die andere zurücktritt für eine andere Situation. Wenn das richtig funktioniert, versteht der Anteil, dessen Strategie gerade nicht benutzt wird, genau, warum das eine gute Lösung ist und unterstützt das, weil da ein tieferes Verständnis davon entstanden ist, wie Dinge heute laufen. Das ist kein sozialer Vertrag wie die Abmachungen, die wir verhandeln, wenn wir Kompromisse ausarbeiten. Das basiert auf der Realisation der äußeren Situation, dem Kontext der Zeit und wie unser System heute funktioniert. Das hat einen integrativen Effekt und nicht nur einen auf die Beziehung. Wir brauchen hier integrative Handlungen wie Synthese, Realisation, Personifikation und Präsentifikation.
Anteile verwenden inkompatible Strategien
Vielleicht sind die Ziele völlig in Ordnung, aber die Arten, wie Anteile versuchen, sie zu erreichen, kommen sich in die Quere, weil es andere Ansichten über die Welt oder Menschen um uns herum gibt oder verschiedene Überzeugungen, wie etwas getan werden sollte. Solche Unterschiede liegen meistens daran, dass man sich innerhalb anderer Handlungssysteme bewegt. Ein Anteil, der auf eine Art funktioniert, die auf Bindung und Beziehungen ausgelegt ist, löst Dinge ganz anders, als ein Anteil, der sich darauf fokussiert, die Kontrolle über die Situation zu behalten. Wegen der Trennung der Funktionen tut sich das System schwer, eine Mischung von Strategien anzuwenden, wo wir zB 70% soziale Fertigkeiten und 30% Selbstbeherrschung anwenden. Es ist dann nötig, uns zu bemühen, zu teilen und zu kooperieren, um die Mischung hinzubekommen, die es braucht, weil ein Anteil es nicht alleine kann und eine Strategie alleine nicht funktioniert. Wir fangen an zu verstehen, dass die Strategien sich nicht gegenseitig ausschließen, sie ergänzen sich, wenn wir erst einmal in der Lage sind, sie zusammen zu verwenden statt getrennt voneinander.
Das braucht eine integrative Herangehensweise, wo wir Fertigkeiten über dissoziative Barrieren hinweg mischen für das beste Ergebnis. Sich abzuwechseln wird nicht so effektiv sein. Es ist immer wieder erstaunlich, wie scheinbar widersprüchliche Dinge am Ende so genau zusammen passen. Manchmal braucht es die ganze Medaille am Stück und nicht nur eine Seite davon.
In manchen Fällen ist es sicher möglich, neue Strategien für das selbe Ziel zu finden und Verhandlungen und Kompromisse reichen völlig aus. Eine integrative Strategie, wo wir den Zugang zu verschiedenen Arten zu funktionieren für mehr Anteile im System öffnen, macht uns langfristig flexibler und macht das Leben offen gestanden schlicht einfacher. Aber das sind auch Fertigkeiten für Fortgeschrittene, die in der Regel später in der Therapie auftauchen, weil wir uns dafür über dissoziative Barrieren hinwegsetzen.
Die Lösung des Einen ist das Problem des Anderen
Die interessanteste Konstellation, die wir in unserer Tabelle finden können, ist wenn die Strategie des einen Anteil einen anderen Anteil triggert oder ihnen in die Quere kommt. Zum Beispiel will ein Anteil vielleicht eine neue Fertigkeit lernen und Lernen bedeutet immer, dass man erst mal schlecht darin ist. Ein anderer Anteil versucht, immer alles perfekt zu machen, keine Fehler erlaubt! weil ihr Trauma-bedingtes Ziel und ihre Strategie Sicherheit durch Perfektion sind. Der Anteil, der seinen Horizont erweitern möchte, wir den Anteil triggern, für den es zentral ist, nie einen Fehler zu machen und ihm in die Quere kommen.
Kein Anteil ist falsch und kein Ziel ist falsch, aber wir müssen da eine Menge Informationen sortieren, um diese Situation aufzulösen, sodass alles einen guten Platz findet. Vielleicht können wir eine neue Strategie aushandeln, die für andere Anteile kein Problem darstellt. In der Regel brauchen wir hier aber die integrative Handlungen, die wir schon angesprochen haben.
Wir orientieren alle Anteile in der heutigen Zeit und der heutigen Realität (wer wir heute sind, wie die Welt um uns herum heute ist, was für Konsequenzen Handlungen heute haben). Alte Ziele und alte Strategien ergeben einen Haufen von Puzzleteilen für das Bild von Früher. Aktuelle Ziele und Strategien landen auf einem Haufen für Heute, so ähnlich wie wir das in der ‘gleich aber anders’ Übung mit Triggern machen. Dann können wir prüfen, ob das Ziel oder die Strategie, die sich wie ein Problem anfühlt, in der heutigen Realität so zulässig ist. Macht es in dem neuen Bild auch noch Sinn, danach zu streben, oder macht das nur im alten Bild Sinn?
Als nächstes prüfen wir, ob es noch stimmig ist, das Ziel oder die Strategie in der heutigen Realität als problematisch wahrzunehmen. Hat das heute immer noch die gleichen Konsequenzen, die es in dem früheren Bild hatte? Ist das immer noch ein Problem?
Normalerweise ist das Ziel oder die Strategie entweder heute nicht mehr gültig oder aber sie sind heute gar kein echtes Problem mehr.
In manchen seltsamen Fällen bemerken wir, dass es überhaupt keine Gegensätzlichkeiten gibt. Die Strategie hat nicht die Konsequenzen, die ein Anteil angenommen hat und die Ziele ergänzen sich in Wirklichkeit, weil sie zu unterschiedlichen Zeiten gebraucht werden und nicht gleichzeitig. Wir versuchen herauszufinden, wie wir Anteile und ihre Handlungen so verschieben können, dass es zu unserer heutigen Situation passt, und wann eine Mischung der Strategien am besten passen würde. Anteile, die sich durchsetzen können und Anteile, die beschwichtigen, sind in Wirklichkeit nicht die Gegensätze, für die wir sie halten. Sie verhalten sich am besten an Heute angepasst, wenn sie zusammen arbeiten statt getrennte Ziele zu verfolgen.
Wir bewegen Stücke davon, wie wir innerlich funktionieren, so, dass sie dann zu den Ansprüchen der heutigen Situation passen. Manche werden mehr betont, andere wandern in den Hintergrund, manche werden miteinander verbunden und balancieren sich gegenseitig aus. Sie finden einen neuen Platz darin, wie das ganze System an diesem Ort zu dieser Zeit funktioniert.
Das ist der gründlichste Ansatz und weil er Integration nutzt statt reine Verhandlungen, kann er zu bleibenden Veränderungen führen. Das macht es möglich, ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie wir als System funktionieren (oder dysfunktionieren) und zeigt uns genau, wo wir eingreifen können, um komplexe Situationen aufzulösen. Dieser Ansatz kann auch überfordernd werden, wenn wir das alleine probieren oder zu früh in unserem Heilungsprozess. Es ist meine aktuell bevorzugte Vorgehensweise, um komplexe Situationen aufzulösen, aber es braucht dafür ein bisschen Erfahrung und ein besseres Verständnis von Integration und wie man Informationen sortieren kann. Ich würde empfehlen, das erst mal in der Therapie zu probieren, um zu lernen, auf was man achten kann und wie man merkt, dass Aussagen sich widersprechen. Es kann helfen, sowohl den Ansatz mit Bedürfnissen und Werten zu nutzen als auch den von Verlangen und Streben, um eine komplexe Situation anzuschauen, um zu sehen, welcher uns die besten Ergebnisse mit dem wenigsten emotionalen Stress ermöglicht. Vielleicht macht ihr eine Version mit euren Ts zusammen und eine zuhause, wenn ihr die Dynamik der Situation schon besser kennt.
(Das ist meine Version, abgeleitet aus Sachen, die Nijenhuis schreibt (wie das ‘Wer tut Was Warum’. Die Fragen und Konzepte sind seine, die Tabelle und Ausführung meine.)
Je nach Situation, die wir versuchen aufzulösen, können wir unterschiedliche Herangehensweisen auswählen. Regulation ist die schlichteste. Verhandlungen sind die wohl häufigste für unsere inneren Meinungsverschiedenheiten. Der integrative Ansatz liegt mir besonders am Herzen, weil er Probleme langfristig überwinden kann. Man muss es damit nicht eilig haben, aber der integrative Ansatz bringt die größte Erleichterung von Leid für das ganze System.
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Nachwort für Helfende
Wenn Sie jetzt denken ‘Oh wow, dieses integrative Werkzeug ist ja total einfach und bringt einen enormen Fortschritt, davon hab ich ja noch nie gehört’ dann muss ich darauf hinweisen, dass das eine Variation von Enaktiver Traumatherapie von Ellert Nijenhuis ist. Der wird in den USA manchmal nicht ganz ernst genommen oder als pedantisch bezeichnet, wenn er auf solide theoretische Grundlagen pocht. Ich halte ihn für den besten DIS Theoretiker, den wir aktuell haben. Auf soliden theoretischen Grundlagen lassen sich solide Therapieansätze bauen. Nijenhuis trägt neue Ideen bei, die sich auf die Integration von Funktionen konzentrieren und damit sehr effektiv Leid reduzieren. Seine Texte sind nicht leicht zu lesen, seine Vorträge sind deutlich einfacher. Hören Sie ihm zu. Bei Nijenhuis begegnen mir nie die konzeptuellen Probleme, die ich speziell bei DIS bei Janina Fisher habe, die nur so ungefähr die Theorie der strukturellen Dissoziation abbildet. Was für Komplextrauma allemal gut genug ist, wird am Ende des dissoziativen Spektrums zu ungenau. Es lohnt sich, zu verstehen, was Nijenhuis meint mit den Konzepten, die er vorstellt, auch wenn die erst mal seltsam klingen. Sie machen die DIS Therapie deutlich effizienter als reine Beziehungs-Ansätze für die innere Arbeit. Wenn Betroffene das verstehen und eigenständig anwenden können, sollte Ihnen das nicht zu schwer sein.

